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16 November 2010

Review

Jetzt arbeit ich bereits seit vier Wochen, war in dieser Zeit zweimal krank und bin am Freitag und heute ebenfalls nicht in der Arbeit gewesen. Aber genau aus diesem Grunde wollte ich ja auch eine Arbeitsmassnahme und nicht eine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt mit Probezeit und Druck und allem sonstigem Gezeter. Ich will mir einfach nicht den Hintern für nichts aufreissen und da ist so ein 1-Euro-Job genau das richtige. Ich habe aber auch eine halbwegs interessante Sache zu arbeiten, ich baue PCs zusammen, das habe ich ja daheim schon immer gerne gemacht. Man kann es also schlechter treffen. Ich kann hier noch was lernen und es ist auch Sinn bei dieser Arbeit, da kann ich mich nicht beklagen.

Nichts desto trotz habe ich damit zu kämpfen, immer hinzugehen, denn manchmal wache ich auf und mir geht es dermassen schlecht, dass alles zu spät ist. Am Freitag bin ich mit so einer schlimmen Depression aufgewacht, ich habe dagesessen und konnte nicht einmal in der Arbeit anrufen, das ist natürlich nicht gut, aber ich habe nunmal Depressionen und die wissen das und ich breche nichts über das Knie. Wenn ich nicht kann, dann kann ich nicht. Nur wenn ich mir das herausnehme, werde ich auch in meinen Belangen als Depressiver wahr genommen. Ansonsten bin ich doch wieder nur ein Hypochonder. Heute habe ich es dann noch geschafft, um 11.00 Uhr, anzurufen. Mal schauen, morgen gehe ich wieder hin. Bin gespannt, was abgeht morgen früh, aber grossartige Gedanken mache ich mir nicht. Vielmehr ärgere ich mich darüber, dass ich mich so hängen lasse, dass ich heute auch nicht gegangen bin. Es wäre schon irgendwie gegangen, aber ich habe mich heute wirklich gehen lassen. Morgen wird wieder angepackt, auf jeden Fall.

Wenn ich dann so durchhänge, dann sehe ich auch keinen Sinn mehr in der Arbeit, das macht dann alles keinen Sinn mehr, oder besser gesagt, ich kann mit alldem dann nichts mehr anfangen. Was interessiert mich auf einem depressiven Schub eine Arbeit oder Freunde oder Verpflichtungen. Da geht es mir dermassen saudreckig, dass ich nur an mich und meinen Schmerz denken kann, ganz egoistisch und abgekapselt. Aber ich komme auch immer selber da wieder raus, es dauert mal länger, mal geht es schneller. Ich denke, morgen bin ich wieder obenauf für einige Zeit.

Auf jeden Fall muss sich in meinem Leben so einiges verändern, wenn ich zufrieden werden will. Ob ich das hier in Deutschland je werde, frage ich mich sowieso. Wahrscheinlich würde es mir schon in Österreich, in Zell am See um einiges besser gehen. Es ist einfach eine todtraurige und langweilige Stimmung hier in Deutschland, es zieht mich einfach nur runter, wenn ich morgens in der U-Bahn die toten Menschen sehe, von denen keiner lacht. So viel Frust und Unzufriedenheit auf einem Haufen haben ich nicht in Ländern gesehen, in denen es den Menschen weitaus schlechter geht. Es ist traurig, Deutschland sackt ab, da braucht und kann niemand mehr stolz drauf sein. Auf lange Sicht werde ich wohl weg müssen von hier und die einzige Chance, die ich da im Augenblick sehe, ist mein Erbe, denn ich habe nichts mit meinen 45 Jahren und ich komme in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren auch zu nichts mehr, da mache ich mir keine Illusionen. Aber arm in Deutschland werde ich nicht sterben, dann sterbe ich lieber arm in Asien. Dort kümmert sich am Ende noch ein aufopfernder Mensch um mich, nicht eine abgehalfterte Pflegekraft, die unterbezahlt und überbeansprucht ist.

Auf jeden Fall ist mein Fazit, dass mir die Arbeit gut tut und dass ich im allgemeinen fähig bin, kontinuierlich der Arbeit nachzugehen, wenn mich nicht grosse Depressionen davon abhalten. Das ist aber nun meine Problematik, ansonsten bin ich auf jeden Fall nicht zu faul oder zu bequem, um einer Arbeit nachzugehen. Je mehr ich gefordert würde, desto besser wäre es, ein langweiliger Job ist ein Horror für mich, ich bin kein Behörden- oder Beamten-Typ. Ich bin gespannt, was sich in meinen Leben noch so ergibt, im Augenblick habe ich ja beruflich gar keine Perspektiven, aber das ist auch nicht das wichtigste.
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